Interview: Das wird auf jeden Fall eine runde Sache

Erstellt von Johannes Oeldemann

Salzkotten (pm). Es gibt viel zu tun, damit das Kreisschützenfest vom 4. bis 7. September 2026 in Salzkotten rund läuft.

Wenn in Salzkotten Schützenfest gefeiert wird, sieht und hört man in der Öffentlichkeit vor allem den Oberst, den Major und die Hauptmänner der vier Kompanien. Was ist eigentlich genau die Aufgabe des Brudermeisters? 

Das erklären Brudermeister Christian Berg und Ehrenbrudermeister Conrad Möller in diesem  Sommerinterview. Die Fragen stellte Johannes Oeldemann, Pressewart der St. Johannes-Schützenbruderschaft Salzkotten. 

? Was ist eigentlich genau die Aufgabe des Brudermeisters?

Möller: Der Brudermeister ist der Vorsitzende des geschäftsführenden Vorstands. Der besteht aus fünf Leuten: Brudermeister, Oberst, Major, Rechnungsführer und Schriftführer. Dort geht es in erster Linie um die Verwaltung des Vereins – um die Finanzen, um die Mitgliederverwaltung – und um die Koordination der Aktionen und Feste, die wir im Laufe des Jahres ausrichten. Das ist ja nicht nur das Schützenfest, dazu gehören auch der Adventsmarkt und der Winterball. Die eigentliche Koordination läuft im Schützenbüro: Brudermeister, Schriftführer und Rechnungsführer. Diese drei kümmern sich um die Verwaltung, Oberst und Major sind mehr der ausführende Teil.

Wie oft trifft sich der geschäftsführende Vorstand? 

Möller: Unregelmäßig, nach Bedarf – vor dem Schützenfest häufiger. Über das Jahr verteilt stimmen sich Brudermeister, Rechnungsführer und Schriftführer aber schon regelmäßig ab. Da geht es um die Spendenverwaltung, um den Einzug der Mitgliedsbeiträge oder um die Frage, wer zum Schützenfest als Ehrengast eingeladen wird. Das ist viel Arbeit hinter verschlossenen Türen, die aber eben auch gemacht werden muss.

? Conny, du hattest das Amt des Brudermeisters von 2017 bis 2026 inne. Was war im Rückblick ein besonderer Höhepunkt deiner Amtszeit?

Möller: Jedes Jahr hat seine Höhepunkte, vor allem das Schützenfest selbst. Auch wenn die Jahre sich ähneln – man freut sich jedes Mal, wenn genug Königsaspiranten da sind. Und die hatten wir bis heute immer; wir sind in all den Jahren nie ohne König geblieben.

Herausgestochen hat natürlich die Corona-Zeit, weil sie den normalen Jahresablauf komplett ausgehebelt hat. Wir haben eine Live-Übertragung aus der Sälzerhalle organisiert, und in einzelnen Gärten wurde, je nach Erlaubnis, im Kleinen gefeiert. Das war eine große Herausforderung – und auf seine Weise doch ein Höhepunkt.

Sorge hatten wir vor allem wegen der Vermietung der Sälzerhalle. Da haben wir im Endeffekt Glück gehabt: Erst kam das Impfzentrum hinein, und für ein paar Wochen war auch die Speisenkammer dort untergebracht, sodass sie ihre Arbeit weiterführen konnte. Vieles war auf einmal ganz anders als im normalen Ablauf eines Schützenjahres. Insofern war die Corona-Zeit etwas ganz Besonderes, wenn auch besonders herausfordernd.

? Gab es noch andere Herausforderungen in den letzten neun Jahren?

Möller: Ja, aktuell vor allem das bevorstehende Kreisschützenfest. Aber es gab neben Corona auch anderes. Wir haben die Theke in der Halle umgebaut – eine große Aktion, bei der viele Schützenbrüder mitgeholfen haben. Dann haben wir die Vogelstange umgesetzt; das hat den Ablauf des Schützenfestes deutlich verändert. In dem Zuge haben wir auch den Biergarten Jahr für Jahr weiter ausgebaut – das war wirklich eine wichtige und gute Sache. Der Hallenboden ist erneuert worden, ebenfalls während der Corona-Zeit, und die Toilettenanlagen haben wir komplett renoviert.

Dazu kam der Umbau des Diermann-Hauses, das uns geschenkt worden ist. Aus vier Wohnungen sind mit einem Anbau zwölf geworden; das ist abgeschlossen. Der nächste Schritt hat gerade begonnen: die Kernsanierung unseres ältesten Gebäudes in der Kokelake. Da werden wirklich Summen bewegt, aber es ist nachhaltig – und es entspricht dem ursprünglichen Sinn der Sache: Über den Verein „Altenwohnheim“ stellt die Bruderschaft günstigen Wohnraum für ältere bedürftige Salzkottener Bürger zur Verfügung. Wenn alles fertig ist, sind es 30 Wohnungen. Das ist eine Salzkottener Besonderheit – eine Herausforderung, die aber auch Spaß macht.

? Christian, du wurdest im Mai zum neuen Brudermeister gewählt und hast das Amt am 1. Juli 2026 übernommen. Wie hast du dich auf die neue Aufgabe vorbereitet und welche Schwerpunkte möchtest du setzen?

Berg: Vorbereitet habe ich mich zunächst dadurch, dass ich gesagt habe: Ich übernehme das gerne, möchte es aber von anderen Ämtern trennen – vom Verein Altenwohnheim und vom Hallenbauverein. Das sind eigenständige, große Projekte, wie Conny gerade beschrieben hat. Mir geht es darum, uns für die Zukunft aufzustellen und diese Ämter auch weitergeben zu können. Auch ich werde das Amt ja keine 20 oder 30 Jahre ausüben. Wir müssen immer wieder Leute finden, die solche Aufgaben übernehmen – und dafür jetzt die Weichen stellen und die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen.

Die Abläufe kannte ich natürlich schon ein Stück weit, weil ich als Oberleutnant der ersten Kompanie in die Vorbereitung und Durchführung der Schützenfeste eingebunden war. In die Thematik ist man über die Jahre hineingewachsen. Neu ist die Komplexität der Verwaltung, die dahintersteckt. Das ist eine sehr große Aufgabe, die jetzt nach und nach übergeben wird. Im Moment dominiert das Kreisschützenfest, deshalb wird sich die Übergabe des Alltagsgeschäfts noch bis in den Herbst ziehen.

? Das bevorstehende Kreisschützenfest ist sicherlich die erste große Bewährungsprobe für den neuen Vorstand. Wie laufen die Vorbereitungen, und welche Highlights bietet das 67. Kreisschützenfest?

Berg: Das Kreisschützenfest ist eine echt große Nummer. Da muss man mit 150 Prozent anfangen, wenn auch nur für eine kurze Zeit, bis Anfang September. Die Vorbereitungen laufen zum Glück gut – auch deshalb, weil die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die dieses Fest mit angeschoben haben, Conny Möller und Ralf Schmettkamp, noch mit im Team sind. Wir haben ein großes Team für die Koordination, und vieles ist an Arbeitsgruppen delegiert, die sehr gut arbeiten. Natürlich tauchen immer wieder Dinge auf, die man nicht planen kann; da muss man an der einen oder anderen Stellschraube nachjustieren. Aber das allermeiste ist in den Arbeitsgruppen hervorragend vorbereitet worden, überall sitzen kompetente Leute. Manches sieht man schon jetzt, etwa auf dem Festplatz; anderes läuft im Hintergrund, zum Beispiel die Entwicklung des Sicherheitskonzepts.

Das liegt auch an der Größe unserer Bruderschaft. Wir haben viele Leute mit großer Kompetenz – fachlich, aber auch mit Maschinen und mit Manpower. Bei der ersten Bürgerversammlung zum Kreisschützenfest waren über 300 Leute da. Das macht die Vorbereitung einfacher, weil man die Aufgaben besser verteilen kann. Das Kreisschützenfest wird auf jeden Fall eine runde Sache.

Möller: Es ist ja so, dass jedes Dorf und jede Stadt, die das Kreisschützenfest ausrichtet, sich voll ins Zeug legt. Du hast gefragt, was unser Fest besonders auszeichnet – das würde ich gar nicht so in den Vordergrund stellen. Wenn ich an die vergangenen Jahre in Upsprunge und in Büren denke: Das waren wirklich tolle Feste auf hohem Niveau. Wenn wir das ebenso hinbekommen – und das werden wir –, finde ich das vollkommen in Ordnung. Es muss nicht immer noch eins draufgesetzt werden, und wir haben auch bewusst nichts geplant, um mit unserem Fest die anderen auszustechen. Das ist gar nicht gewollt.

Berg: Viele Vereine bringen ihre eigenen Besonderheiten in das Fest ein. In Steinhausen gab es zum Beispiel vorweg einen Kommersabend. Man projiziert etwas aus dem eigenen Schützenfest in das Kreisschützenfest hinein, um sich zu präsentieren. Bei uns wird das mit Sicherheit das Feuerwerk sein. Das hat es in der Vergangenheit schon gegeben, in den letzten Jahren aber nicht mehr in dieser Form. Das Feuerwerk ist eine Besonderheit unserer Schützenfesttradition – aber eben auch nur ein Punkt von vielen im Programm. Alle Ausrichter haben es bisher hervorragend gemacht, und ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können. Vor allem wünsche ich mir, dass wir einen neuen Kreiskönig finden – und einen neuen Ausrichter, damit dieses tolle Fest erhalten bleibt.

? Ihr seid beide Mitglied im aktuellen Salzkottener Hofstaat. Wie wird das beim Kreisschützenfest laufen – gibt es jemanden, der euch vertritt und eure Aufgaben übernimmt?

Berg: Als Brudermeister hat man vor allem im Vorfeld des Festes viel zu tun. Beim Kreisschützenfest kommandieren dann Oberst und Major das Bataillon; da bin ich ein Stück weit außen vor. Natürlich kommt zwischendurch mal eine Verwaltungsfrage auf, aber wir sind vor Ort und stehen parat. Das meiste sollte bis dahin geregelt sein, und für alles Weitere gibt es Zuständige im geschäftsführenden Vorstand.

Möller: Das ist überhaupt kein Problem. Ich war als Rechnungsführer und als stellvertretender Rechnungsführer schon einige Male im Hofstaat, das ließ sich immer vereinbaren. Wir sind 14 Paare; wenn da mal einer für eine Stunde fehlt, fällt das nicht ins Gewicht. Wir können uns also ausklinken und tun, was getan werden muss. Und außerdem ist der Salzkottener Hofstaat beim Kreisschützenfest nicht die Hauptperson – das ist nach wie vor der amtierende Kreishofstaat.

? Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: 2028 wird die Salzkottener St. Johannes-Schützenbruderschaft 375 Jahre alt. Gibt es schon Pläne, wie dieses „kleine“ Jubiläum gefeiert werden soll?

Berg: Ja, da wird mit Sicherheit etwas passieren. Solche Daten soll man feiern und auch wahrnehmen. Gedanken darüber machen wir uns aber erst nach dem Kreisschützenfest. Es wird kein normales Schützenfest sein und auch kein zweites Kreisschützenfest – wir werden uns irgendwo dazwischen bewegen. Was genau passiert und welche Gastvereine wir einladen, überlegen wir Anfang nächsten Jahres, wenn das Kreisschützenfest verarbeitet ist. Dann bleiben uns immer noch anderthalb Jahre Zeit.

Möller: Entscheiden muss das natürlich der neue Vorstand. Aber ein solches Jubiläum wäre ein schöner Anlass für ein Kaiserschießen, bei dem alle alten Könige noch einmal antreten. Das wäre ein Programmpunkt, über den man nachdenken kann, sobald das Kreisschützenfest vorbei ist.

Danke für das Gespräch und gutes Gelingen beim Schlussspurt auf der Zielgeraden zum Kreisschützenfest! 

Quelle: schuetzen-salzkotten.de/

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