Auf Navigationskurs in der virtuellen Welt

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Gütersloh (jf). Mit nur einem Knopfdruck öffnet sich das Tor zu einer anderen Welt. Hier kreieren Pixel die Umgebung – keine Moleküle. Sie sausen in binären Codes durch das Netz und formen ein buntes Universum voller Möglichkeiten. Bewohner gibt es keine, doch jede Menge Besucher: Die sogenannten digital Natives, also digitale Einheimische. So wird die Jugendgeneration genannt, die mit dieser virtuellen Welt aufwächst. Tablet, Smartphone, Laptop und Spielekonsole sind ihre alltäglichen Begleiter.

Doch was ist so faszinierend am Zocken? Warum können Nachrichten nicht einfach mal warten? Und muss man denn eigentlich immer erreichbar sein? Die digitale Welt bietet viele Chancen, doch gleichzeitig verbergen sich dort auch Risiken. Damit Eltern und Pädagogen ihren Schützlingen die nötige Medienkompetenz vermitteln können, müssen sie sich erst einmal selber im digitalen Netz zurechtfinden. Um Erwachsenen und auch den Jugendlichen selbst eine Orientierungshilfe zu bieten, startet das Netzwerk Medienaktiv im Kreis Gütersloh im November mit den ‚ MedienAKTIVTagen ‘ eine Veranstaltungsreihe mit 17 Veranstaltungen rund um die virtuelle Welt.

Ob bei der Arbeit, in der Schule, als Freizeitgestaltung oder als Kommunikationsmittel – digitale Medien sind aus dem Alltag längst nicht mehr wegzudenken. Doch wie geht man eigentlich souverän damit um?

Kinder und Jugendliche haben die technische Handhabung oft schneller raus als Erwachsene. Videospiele können genauso ein Hobby sein wie Fußball oder Klavier spielen. Kommunikation mit Gleichaltrigen läuft nicht über stundenlange Telefonate, sondern über Social Media Plattformen wie Instagram. Dort finden Jugendliche in sogenannten Influencern Vorbilder und informieren sich über das aktuelle Weltgeschehen. „Medien tragen maßgeblich zur Identitätsfindung der Jugendlichen bei“, betont Martin Husemann, Mitglied des Netzwerkes Medienaktiv und Leiter des Medienzentrums Kreis Gütersloh. „Umso wichtiger ist es, dass die Mädchen und Jungen kompetent damit umgehen und dort verbreitete Inhalte richtig einordnen können. Dabei brauchen sie Unterstützung von Eltern und Pädagogen.“

Doch Erwachsene haben oft größere Hemmungen und wissen nicht, wie sie  mit dem Medienkonsum der Kinder umgehen sollen. Was ist das beste Alter für ein Smartphone? Wie lange dürfen die Kinder vor der Videokonsole sitzen? Ab wann spricht man eigentlich von Abhängigkeit? Wann darf oder muss man sich sogar einmischen? Wie gehen andere Eltern damit um? „Es ist wichtig, eine klare Haltung zu definieren und wenn nötig auch Grenzen zu ziehen“, erklärt Karola Hoffmann Alves, Suchtberaterin der Caritas Gütersloh.

Gleichzeitig gibt die virtuelle Welt den Heranwachsenden viele Möglichkeiten: Spiele fördern das logische Denken sowie die Feinmotorik und schulen oft Fähigkeiten wie zum Beispiel Programmieren.

„Die Zukunft ist digital, kein Zweifel. Also ist es wichtig, dass die Kinder Medienkompetenz erlernen und ihre Erfahrungen sammeln. Medienbildung gehört zur Erziehung“, heben die Experten hervor. Das Thema sei allerdings nicht alleinige Aufgabe der Schulen, sondern muss auch im Elternhaus besprochen werden. Hier sei Teamwork gefragt – in der Gamer-Szene würde man von einem Multiplayer-Spiel sprechen.

Statt also wie in einer Geisterbahn voller Sorge auf das nächste Horrorgespenst zu warten, sollten Erwachsene sich mit der digitalen Welt vertraut machen. „Kleiner Tipp: Seien Sie neugierig und fragen sie Jugendliche einfach, was genau sie da im Internet machen oder wie das Videospiel funktioniert“, rät Dr. Monika Rammert, als Leiterin der Bildungs- und Schulberatung Mitglied im Netzwerk MedienAKTIV. Mit den verschiedenen Programmpunkten der MedienAKTIVTage können sich Erwachsene ein Bild der virtuellen Welt, deren Möglichkeiten und Risiken machen. „Selbst wenn sie keine Experten auf dem Gebiet sind, können Eltern und Pädagogen den Jugendlichen ein guter Begleiter sein.“

Auf der Agenda stehen auch Veranstaltungen speziell für Jugendliche. „Wir wollen ihnen helfen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und ihnen zeigen, was sie alles mit den digitalen Geräten machen können. Zum Beispiel kann man mit dem Smartphone tolle Videos drehen und schneiden“, versichert der Leiter des Medienzentrums. Bei diesen Seminaren steht nicht die Technik oder das allgemeine Verständnis für und um die digitalen Medien auf dem Programm, sondern die Inhalte. Husemann: „Da Jugendliche besonders über Soziale Netzwerke kommunizieren, sprechen wir auch das Thema Cybermobbing an. Jugendliche müssen verstehen, dass alles was sie im Netz verbreiten Konsequenzen hat.“

Alle Informationen rund um das Netzwerk Medienaktiv sowie das genaue Programm der MedienAKTIVTage im November finden Interessenten im Internet unter https://www.kreis-guetersloh.de/netzwerk-medienaktiv-gt/

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Auf Navigationskurs in der virtuellen Welt
Die Mitglieder des Netzwerkes Medienaktiv im Kreis Gütersloh (v.l.) Martin Husemann (Kreis Gütersloh), Ralf Grothus Schulsozialarbeit Gesamtschule Halle Westf.), Dr. Monika Rammert (Kreis Gütersloh), Thorsten Zietz (Jugendamt Stadt Verl), Karola Hoffmann Alves (Caritas Gütersloh), Marie-Claire Bachmann (Kreis Gütersloh), Annette Rattay (Kreis Gütersloh), Lars Riemeier (Caritas Gütersloh), Christiane Wilhelms (Kreis Gütersloh) und Lars Walz (Caritas Gütersloh). Foto: Kreis Gütersloh