Familienfreundlichkeit hat viele Gesichter

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Kreis Paderborn (krpb). Den Haushalt teilen, dabei sein, wenn das eigene Kind die ersten Schritte macht, und sich auch beruflich weiter einbringen können: Mütter und Väter möchten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie leben. Auch wenn in der Familie plötzlich ein Pflegefall auftritt. Unternehmen, die das erkennen, machen den Unterschied. Sie finden und halten insbesondere auch weibliche Fach- und Führungskräfte.

Im Kreis Paderborn werden seit 2017 Unternehmen mit dem Gütesiegel „Familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet. Dazu gehören auch Netzwerktreffen mit Vorträgen über lebensphasenorientierte Personalpolitik und Tipps aus der Praxis. „Aus der Region für die Region – Familienfreundlichkeit hat viele Gesichter“ lautete das Thema der Veranstaltung im Paderborner Kreishaus, zu der das Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL, die Servicestelle Wirtschaft und Gleichstellungsstelle der Paderborner Kreisverwaltung eingeladen hatten. Angesprochen waren nicht nur bereits zertifizierte sondern alle Betriebe, die künftig das Siegel „Familienfreundliches Unternehmen Kreis Paderborn“ führen und damit im Wettbewerb um Arbeitskräfte punkten möchten. Auf dem Programm standen Vorträge und Praxisbeispiele ausgezeichneter Unternehmen.

Kind und Karriere? Kathrin Wibbing kann da eigentlich nur die Schultern zucken. Sie steht vor ganz anderen Herausforderungen. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie Anfang Januar 2015 den Kinderintensivpflegedienst „TEAM DAVID“, der es möglich macht, dass schwerstkranke Kinder die Intensivstationen von Krankenhäusern verlassen und nach Hause können. Sie weiß aus eigener Betroffenheit, dass Eltern in so einer Situation schnell am Limit sind und Unterstützung von professionellen Pflegekräften brauchen. 35 Mitarbeitende betreuen neun Kinder in OWL. Jeder hier kann arbeiten, wie es die eigene Lebenssituation erlaubt. Das Ehepaar setzt auf Vertrauensarbeitszeit und gegenseitigen Respekt. Hier engagiere sich jeder mit Leidenschaft, damit die kleinen Patienten in ihren Familien aufwachsen können. Wibbing würde gern mehr betroffenen Familien helfen. Doch sie muss immer wieder absagen, weil ihr die Fachkräfte fehlen. „Wir möchten deshalb mehr Personalmarketing machen, zum Beispiel in Form von Videobotschaften bei Facebook“, betonte Wibbing.

Was genau brauchen pflegende Angehörige? Wie können Unternehmen darauf reagieren? Der Kreis Paderborn hatte Ende 2018 dazu ein Umfrage gemacht und ausgewertet. Pflege ist vor allem weiblich: Delia Strickling vom Paderborner Kreissozialamt berichtete, dass von den 304 pflegenden Angehörigen, die sich an der Umfrage beteiligten, drei Viertel Frauen waren. Fast 70 Prozent gaben an, dass die Pflege für sie zu Hause ein Vollzeitjob sei.

Wenig überraschend: Viele kürzten ihre Arbeitszeit drastisch oder gaben den Job ganz auf. Betroffene Arbeitnehmer müssten frühzeitig und gezielt über ihre Ansprüche in so einer Situation und entlastende Angebote in ihrer Umgebung informiert werden, betonte Strickling. In Kooperation mit dem KreisSportBund Paderborn gehe im kommenden Jahr das Programm „Bewegt älter“ an den Start, ein Bewegungs- und Sportangebot für pflegende Angehörige. Alle Ergebnisse zur Umfrage: www.kreis-paderborn.de/pflegeumfrage<http://www.kreis-paderborn.de/pflegeumfrage>

Das Salzkottener Unternehmen projekt w – Systeme aus Stahl GmbH ermöglicht pflegenden Beschäftigten flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und auch kurzfristige berufliche Auszeiten. Personalentwickler André Schrader betonte, dass es auch für junge Eltern oder auch Alleinerziehende auf ihre Situation zugeschnittene Angebote gebe. Attraktive Arbeitsbedingungen seien ein starkes Argument, um gute Fachkräfte von sich zu überzeugen. „Da sind wir Wiederholungstäter“, meinte Schrader augenzwinkernd.
Andreas Lühmann von der Regionalagentur OWL stellte Förderprogramme für kleinere und mittlere Unternehmen vor. Er betonte, dass mit der Verleihung der Zertifikate viele Veränderungsprozesse in Gang gesetzt würden. Dabei könnten Unternehmen Unterstützung erfahren. So können bis zu 10 Beratungstage mit 50 %, maximal 500 € pro Tag, gefördert werden, beispielsweise zu den Themen Arbeitsorganisation, Kompetenzentwicklung, Demographischer Wandel, Digitalisierung und Gesundheit.

Hintergrund:

Seit 2017 können kleine und mittelständische Unternehmen mit dem Siegel „Familienfreundliches Unternehmen im Kreis Paderborn“ ausgezeichnet werden. Teilnehmende Betriebe haben die Möglichkeit, an themenspezifischen Workshops teilzunehmen, in denen sie von guten Beispielen und neuen Ideen profitieren. Ergänzend dazu finden Netzwerktreffen statt, die offen sind für bereits ausgezeichnete sowie interessierte Unternehmen. Mit der Auszeichnung zeigen Unternehmen ihr Engagement für Mitarbeitende und erhöhen gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit und das Unternehmensimage. Informationen zum Auszeichnungsverfahren erhalten interessierte kleine und mittelständische Unternehmen bei Dr. Angela Siebert, a.siebert@ostwestfalen-lippe

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Familienfreundlichkeit hat viele Gesichter
„Familienfreundliche Unternehmen“: Wie man mit Familienfreundlichkeit punktet: Dr. Angela Siebert vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL (erste Reihe, ganz rechts im Bild), Edith Rehmann-Decker, Leiterin der Servicestelle Wirtschaft (ganz links im Bild) und die Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung Paderborn, Simone Böhmer, hatten zum Netzwerktreffen familienfreundlicher Unternehmen ins Paderborner Kreishaus eingeladen Foto: Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kreis Paderborn, Meike Delang