Unwort des Jahres: Sondervermögen
Marburg (pm). Der Begriff Sondervermögen ist zum „Unwort des Jahres“ 2025 gekürt worden. Das gab die Jury der sprachkritischen „Unwort“-Aktion am Dienstag, 13. Januar 2026 in Marburg bekannt.
Der Ausdruck Sondervermögen sei seit einigen Jahren im gesellschaftlichen Diskurs präsent. Im Jahr 2025 wurde er im öffentlich-politischen Sprachgebrauch vermehrt verwendet und prägte sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme, heißt es in dem Pressebericht dazu. Weiter erklärt die Jury:
"Sondervermögen setzt sich aus den Wortteilen sonder und Vermögen zusammen. Unter Vermögen ist eine große Menge an Eigentum wie Geld oder Sachwerten zu verstehen.
Das Wortbildungselement sonder bedeutet, dass etwas nicht dem Üblichen entspricht, sondern außergewöhnlich ist. Im Alltagssprachgebrauch wird unter Sondervermögen eine spezielle Menge an Eigentum verstanden, die von einem Gesamtvermögen abgetrennt ist und einen eigenen Stellenwert einnimmt. Der Ausdruck stammt ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache."
Im Fachdiskurs über den Staatshaushalt werde mit Sondervermögen ein sogenannter Nebenhaushalt bezeichnet, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet werde und mit der Aufnahme von Schulden oder einer Kreditermächtigung verbunden sei.
Der Gebrauch dieses verwaltungstechnischen Ausdrucks habe sich im öffentlichen Diskurs verselbständigt. Er richte sich in Debatten über politische Maßnahmen an alle Bürgerinnen und Bürger. Viele von ihnen seien jedoch nicht mit der administrativen Spezialbedeutung vertraut und orientieren sich an der Alltagsbedeutung.
Durch diese Diskrepanz trete die irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund, so die Jury. Wörtlich heißt es weiter: "Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist: die Aufnahme von Schulden."
Die Jury kritisiert diesen Gebrauch, weil durch ihn Tatsachen verschleiert würden und wegen seiner manipulativen Wirkung. "Dadurch werden demokratische Debatten über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme unterminiert: Verständlichkeit und Aufrichtigkeit werden hinsichtlich der aufgenommenen Schulden vermieden."
Wo politische Kommunikation alle Bürger betreffte, sei das sprachkritische Einmahnen von Klar-
heit und Angemessenheit in der Sprache diskursethisch geboten.
Quelle: unwortdesjahres.net/
