Erstmals predigt eine Frau

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Paderborn (pdp). Die Agatha-Feier in Olpe und die damit verbundene Erneuerung eines Gelübdes durch den Rat der Stadt im südlichen Sauerland hat eine 355-jährige Tradition. Erstmals hat mit der Generaloberin der Olper Franziskanerinnen eine Frau die Festansprache am Sonntag in der St. Martinus-Kirche gehalten. Schwester Magdalena Krol OSF erinnerte in der Feier an die Gründerin der „Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung“ in Olpe, an die selige Mutter Maria Theresia Bonzel OSF, deren Gedenktag am 9. Februar begangen wird. „Er führt. Ich gehe.“ war für die jüngste Selige des Erzbistums Paderborn ihr Lebensleitwort. Schwester Magdalena Krol OSF wandelte es für ihren Orden ab in „Er führt. Wir gehen.“.

„In jedem Leben gibt es Treue, Regeln und Vereinbarungen, die eingehalten werden sollten, damit Zusammenleben gelingt“, führte Schwester Magdalena Krol aus. In jedem Leben gebe es auch eine Art von Gehorsam, dieser „Lebensgehorsam“ sei aufmerksam für die Herausforderungen des Lebens, der eigenen Person und im Leben von Christen für das Wort Gottes. Die Generaloberin der Olper Franziskanerinnen erinnerte an die Umschreibung der seligen Mutter Maria Theresia Bonzel, wie sie die Gründung des Ordens der „Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung“ zusammenfasste: „Nach dem Vorbild unseres heiligen Vaters Franziskus von Assisi bemühen sich die Schwestern, das beschauliche Leben mit dem tätigen zu vereinen in der Ewigen Anbetung und in Werken der Barmherzigkeit.“ Schwester Magdalena brachte dies mit dem Jubiläumsleitwort auf den Punkt: „Anbeten und Anpacken“.

„Anbeten und Anpacken“

Schwester Magdalena Krol betonte in ihrer Ansprache: „Zusammen mit den Heiligen sind wir die Gemeinschaft der Glaubenden, die Kirche Christi. Wir sind das nicht nur mit heilig oder selig gesprochenen Frauen und Männern. Wir sind mit allen im Glauben Gestorbenen weiterhin in Gemeinschaft. Wenn wir Heilige verehren, geben wir auch ein Zeugnis für das ewige Leben, in dem wir alle unterwegs sind. Echte Heiligenverehrung ist weder Personenkult noch bloßes Schauen auf religiöse Vorbilder.“

Gemeinsame Gebetsrichtung ist Christus

Heiligkeit lasse sich nicht durch spektakuläre Ereignisse definieren, vielmehr durch ersichtliche Treue im Alltag, erklärte die Generaloberin der Olper Franziskanerinnen. Die letzte Ruhestätte von Mutter Maria Theresia Bonzel in der Martinus-Kirche in Olpe finde sich nicht an der Stirnseite der Anbetungskapelle, vielmehr am Rand. Die Selige sei auf diese Weise „beim Gebet neben uns“, erläuterte die Nachfolgerin von Mutter Maria Theresia Bonzel im Amt der Generaloberin: „Unsere gemeinsame Gebetsrichtung ist der Tabernakel, ist Christus. Für Mutter Maria Theresia war die Eucharistische Anbetung der wichtigste Grund für das Ordensleben, aus der heraus sie und wir Schwestern die Kraft und die Wirksamkeit für die Aufgaben schöpfen.“

Zum Abschluss ihrer Ansprache sagte Schwester Magdalena Krol: „Wir sind in den Dunkelheiten und Wirren des Lebens nicht allein unterwegs. Wir können uns die Unterstützung der Heiligen und Seligen erbitten und darauf vertrauen, dass Christus immer mitten unter uns ist. Er führt. Wir gehen.“
Agatha-Feier in Olpe

Gedenktag der heiligen Agatha von Catania ist der 5. Februar. Die Heilige gilt als Patronin gegen Feuergefahr. Wenn der 5. Februar kein Sonntag ist, wird in Olpe am darauf folgenden Sonntag gefeiert. Die Feier beginnt um 11 Uhr mit einem Hochamt in der St.-Martinus-Kirche, in dessen Rahmen der Pfarrer das zu diesem Anlass aus dem Stadtarchiv in die Kirche geholte Original-Gelübde von 1665 abliest.
31 Jahre nach dem ersten Stadtbrand von Olpe entstand das Agatha-Gelübde. 1634 hatte ein Feuer nahezu die gesamte Stadt Olpe vernichtet. Seit 1665 wird das Gelübde jährlich vom Rat erneuert. Im Anschluss an das Hochamt beginnen Betstunden in der Kirche, denen um 18 Uhr die „Agatha-Predigt“ folgt. Erstmals hat im Jahr 2020 eine Frau diese gehalten. Abschluss des Agathafests ist eine feierliche Prozession durch die Stadt Olpe, die in diesem Jahr aufgrund des Sturmtiefs „Sabine“ ausfallen musste.

Leben und Wirken von Mutter Maria Theresia Bonzel OSF

Mutter Maria Theresia Bonzel OSF wurde am 17. September 1830 in Olpe geboren. Ihre seit frühester Kindheit empfundene Verbundenheit mit Gott kommt in ihrem lebenslangen Leitsatz „Er (Gott) führt, ich gehe“ zum Ausdruck. 1859/60 folgte sie ihrer Berufung, als Schwester Clara Pfänder zusammen mit ihr und Regina Löser in Olpe die „Kongregation der Franziskanerinnen, Töchter der hl. Herzen Jesu und Mariä“ gründete – mit dem Hauptzweck der ewigen Anbetung und der Sorge für arme Waisenkinder. Nach der Verlegung des Mutterhauses nach Salzkotten im Frühjahr 1863 wurde die in Olpe verbliebene Filiale am 20. Juli 1863 von Bischof Konrad Martin als selbständige Kongregation unter dem Namen „Arme Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung“ anerkannt.

Mutter Maria Theresia Bonzel blieb bis zu ihrem Tod am 6. Februar 1905 Generaloberin. Heute ist der Orden zweimal in den USA vertreten sowie auf den Philippinen und in Brasilien. Große Weitsicht bewies Mutter Maria Theresia Bonzel, als sie 1902 als eine der ersten Frauen eine GmbH gründete, um die Tätigkeit ihres Ordens wirtschaftlich und rechtlich abzusichern: die „Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen“ (GFO). Seit 1995 ist die Maria Theresia Bonzel-Stiftung Trägerin dieser Gesellschaft.

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Erstmals predigt eine Frau
Als erste Frau hielt die Generaloberin der Olper Franziskanerinnen, Schwester Magdalena Krol OSF die Agatha-Predigt in Olpe. Sie machte die jüngste Selige des Erzbistums Paderborn zum Thema: Mutter Maria Theresia Bonzel OSF. Foto: Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn