Mehr Digitalisierung in der Pflege gefordert

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Kreis Paderborn (krpb). Der Mangel an Pflegefachkräften wurde während des Corona-Lockdowns gleich zweifach schmerzhaft deutlich. Ausländische Pflegefach- und Betreuungskräften durften nicht einreisen und fehlten in Familien, aber auch bei Pflegeunternehmen, die mit ihrem Einsatz gerechnet hatten. Gleichzeitig verdichtete sich die Arbeit der Pflegekräfte weiter durch häufig ändernde Hygieneregelungen mit dem damit verbundenen Schulungsbedarf und zunehmende Dokumentationsarbeit. Wenn Fachkräfte in der Pflege fehlen, kann Digitalisierung eine Antwort liefern? Um diese Frage ging das kostenfreie Online-Seminar „Digitalisierung und Vereinbarkeit von Beruf und Familienarbeit“ des Kompetenzzentrum „Frau und Beruf OWL“ und des Kreises Paderborn.

Dozent Andreas Heiber stellte praxisnah vor, wie Pflegefach- und Betreuungskräfte mit der Einführung digital unterstützter Arbeitsabläufe wieder mehr Zeit für das Kerngeschäft erhalten – die Nähe und Arbeit mit den zu pflegenden Menschen. „Die Mehrfachdokumentation muss aufhören! Das schnelle notieren auf Zetteln oder auf dem privaten Smartphone, während man schon auf dem Weg zum nächsten Pflegebedürftigen ist, und dann später im Büro in Übertragung in die Kundenakte - Das frisst viel zu viel Zeit!“, so der Experte. Wichtig sei eine verbesserte Hardwareausstattung in den Pflegeunternehmen, um Dokumentationen vor Ort beim Kunden wie Patienten sofort ins System einzugeben. So seien alle wichtigen personengebundenen Informationen immer aktuell, schnell verfügbar und selbst bei kurzfristig notwendiger Kundenübernahme könne die jeweilige Pflegekraft auf die wichtigsten Daten ad hoc zugreifen.

Voraussetzung dafür sind die Anschaffung moderner Bildschirme fürs Büro, Smartphones bzw. portable Dokumentations-Tablets sowie eine entsprechende Steuerungs- und Dokumentationssoftware. Andreas Heiber erläuterte ausführlich, wie diese Investitionen mit zu 40 Prozent durch ein Förderprogramm der Pflegeversicherung noch bis Ende nächsten Jahres 2021 unterstützt wird.

Nicht nur in der Dokumentation, auch in der weitern Arbeit ist der Einsatz neuer Technologien sinnvoll wie wöchentliche Team-Meetings durch Videokonferenzen zu ersetzen oder schnelle Absprachen per Messenger-Diensten zu treffen. Gerade Fachkräfte, die gleichzeitig noch ihre Kinderbetreuung organisieren oder einen Familienangehörigen pflegen, profitieren vom Wegfall der Wegezeiten sowie der Fahrt- und Betreuungskosten. Die Entwicklung gemeinsamer Ideen und Strategien zum Zweck der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Pflege sowie deren Umsetzung können über ein weiteres Programm der Pflegeversicherung mit bis zu 50 Prozent der Kosten gefördert werden. Dabei kann die einrichtungsinterne Entwicklung, die externe Begleitung, aber auch konkrete Betreuungsangebote für Kinder in Randzeiten bezuschusst werden, um eine bessere familiäre Vereinbarkeit des Pflegeberufs zu ermöglichen.

Die Veranstaltung wurde angeboten vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL in Kooperation mit dem der Servicestelle Wirtschaft, der Gleichstellungsstelle und dem Sozialamt des Kreis Paderborn.

 

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Digitalisierungsschub in der Pflege gefordert
Dozent Andreas Heiber zeigte auf, wie Pflegefach- und Betreuungskräfte mit der Einführung digital unterstützter Arbeitsabläufe wieder mehr Zeit für das Kerngeschäft erhalten – die Nähe und Arbeit mit den zu pflegenden Menschen. Foto: Pixabay