Neuer Hochleistungsrechner

|   Startseite

Bielefeld (ub). Die Fakultät für Physik an der Universität Bielefeld bekommt einen neuen Hochleistungsrechner zur Erforschung der Eigenschaften stark wechselwirkender Elementarteilchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden damit das Verhalten von Elementarteilchen unter extremen Bedingungen untersuchen, wie sie im frühen Universum Bruchteile einer Sekunde nach dem Urknall existierten, aber auch heute noch im Inneren schwerer Sterne vermutet werden.

Der Hochleistungsrechner wird neue Forschungsarbeiten ermöglichen, die die Bielefelder Teilchenphysik derzeit im Sonderforschungsbereich „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“ in Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen an der Technischen Universität Darmstadt und der Goethe Universität in Frankfurt am Main durchführt. Der neue Rechencluster wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und mit zusätzlichen Mitteln des Landes NRW mit 1,9 Millionen Euro finanziert. Er wird am 20. Mai offiziell an der Universität Bielefeld eingeweiht. Ab 16 Uhr finden Vorträge geladener Sprecher im Hörsaal 6 des Hauptgebäudes der Universität statt.

Der neue Hochleistungsrechner ist bereits die fünfte Generation von Spezialrechnern, die die Bielefelder Arbeitsgruppe seit mehr als 25 Jahren betreibt. Allerdings ist der neue Rechner mehr als 100.000-mal schneller als der erste, 1993 installierte Rechner, der in Bielefeld zur Erforschung der Struktur von stark wechselwirkender Materie betrieben wurde. Die Bielefelder Physikerinnen und Physiker der Arbeitsgruppe „Computersimulationen und Gitterfeldtheorie“ um Professor Dr. Frithjof Karsch, Dr. Olaf Kaczmarek und Dr. Christian Schmidt werden auf dem neuen Rechner noch genauere Untersuchungen der Eigenschaften dieser exotischen Zustandsform von Elementarteilchen-Materie durchführen können. Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass Systeme von Elementarteilchen bei hohen Temperaturen und Dichten neuartige Eigenschaften aufweisen, die daraus resultieren, dass die Elementarteilchen selbst aufgespalten werden und ihre Substruktur sichtbar wird.

Diese Bausteine, Quarks und Gluonen, werden unter extremen Bedingungen frei gesetzt, etwa bei Temperaturen, die 100.000 mal höher sind als die im Inneren unserer Sonne, und führen zu ganz neuen Eigenschaften stark wechselwirkender Materie. Die Untersuchung dieses sogenannten Quark-Gluon-Plasmas wird experimentell mit großen Teilchenbeschleunigern wie dem Large Hadron Collider in Genf oder dem relativistischen Schwerionenbeschleuniger in Brookhaven bei New York durchgeführt. An den theoretischen Vorhersagen und der Beschreibung der experimentellen Befunde arbeiten die Bielefelder Teilchenphysikerinnen und -physiker derzeit im Rahmen des Sonderforschungsbereiches in Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen in Darmstadt und Frankfurt am Main.

 

Zurück
Die Arbeitsgruppe „Computersimulation und Gitterfeldtheorie“ erforscht mit dem Hochleistungsrechner stark wechselwirkende Materie: Prof. Dr. Frithjof Karsch, Markus Klappenbach, Dr. Olaf Kaczmarek, Dr. Christian Schmidt (v.l.). Foto: Universität Bielefeld, H. Sandmeyer